Dieses andere Leben ausprobieren

Lea Wintterlin im Finale des Kurzgeschichtenwettbewerbs "Open Mike"

Julia Powalla flog nach Köln, um mit der Autorin Lea Wintterlin zu sprechen.

 

JP: Gratulation, Lea! Gerade noch im Haus des Schreibens. Jetzt bist Du für das Finale des größten Nachwuchsliteraturpreises nominiert worden! Bist du aufgeregt?

LW: Nein, gar nicht, ich freu mich! (Ich versuche gerade, meine Aufregung wegzureden, frei nach Heidi Klum: fake it till you make it.)

 

JP: Dein Open-Mike-Text spielt in Schweden. Er hat für mich auch so eine nordische Atmosphäre ... War das auch dein Ausgangspunkt beim Schreiben?

LW: Es ging vielleicht eher um die Atmosphäre in einer fremden Stadt. Dass diese Stadt Stockholm ist, ist eigentlich Zufall. Aber ich bin auch nicht mit der Absicht rangegangen, einen Text über ein Gefühl der Fremdheit schreiben. Ausgangspunkt war eigentlich die Figur der Sofi. Eine starke (und in dem Fall wahrscheinlich nicht zufällig: schwedische Frau), in der sich eine Ich-Erzählerin spiegelt. Die Ich-Erzählerin, die das Bedürfnis entwickelt, dieses andere Leben, das sie von außen sieht, anzuprobieren.

Autorenportrait von Lea Wintterlin wie sie Tee trinkt

Lea Wintterlin, 28, Philosophin und Schriftstellerin, schreibt derzeit Seifenopern.


 

"Kölsch, das hat so was Beruhigendes, dass man immer ein neues bekommt, wenn das alte leer ist."

JP: Du hast gerade Dein Philosophiestudium abgeschlossen und parallel dazu unsere Autorenausbildung besucht. Inwiefern haben die beiden Faktoren dein Schreiben geprägt?

Bei einem philosophischen Text habe ich mich immer sehr angestrengt, einen bestimmten Gedanken so klar wie möglich zu fassen. Im literarischen Schreiben geht es auch darum, etwas im Unklaren zu lassen, gerade damit zu spielen, dass einem viel, an dem, was man so sagt oder schreibt, unklar ist. Dieses Unklare zuzulassen, dabei hat mir das des Haus des Schreibens als Gegengewicht zur Uni auf sehr geholfen.


  JP: Und nun bist du an der Soap Academy in Köln gelandet. Wie hat dich das Rheinland denn so empfangen?

LW: Gut! Es stimmt wirklich, dass die Rheinländer sehr freundliche, offene Menschen sind. Und ich mag ja Kölsch, das hat so was Beruhigendes, dass man immer ein neues bekommt, wenn das alte leer ist.

 

 JP: Können Seifenopern auch für literarisches Schreiben eine Bereicherung sein?

LW: Ja, auf jeden Fall! Ich werde dabei vor allen Dingen mit dem konfrontiert, was mir beim Schreiben immer am Schwersten fällt: eine spannende Geschichte zu erzählen. Das wird der heutigen Literatur ja auch oft vorgeworfen, dass sie sich nur um innere Befindlichkeiten dreht und eigentlich nichts zu erzählen hat. In der Soap ist das anders, da muss eine Geschichte her, die „knallt“ und die im besten Fall klug und spannend konstruiert ist.

JP: Dafür wünschen wir dir viel Erfolg! Und erst mal lassen wir gemeinsam die Korken knallen beim Open Mike

Lea , vielen Dank für das Interview!

 

"In der Soap ist das anders, da muss eine Geschichte her, die "knallt" …"


 

 

 

 

 

 

 

 

Haus des Schreibens im Speakeasy

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